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Wie es zur Gründung des Vereins kam
In unserer schönen Stadt am Teutoburger Walde fehlte für die Taubstummen ein für sie passender Verein für Turnen und Spiel. Da trat im Sommer 1912 dem Verein Ravensberg ein junger Gehörloser bei, der als eifriger Turner und langjähriges Mitglied der Bielefelder Turngemeinde (BTG), den Wunsch aussprach, eine Taubst.-Turnabteilung ins Leben zu rufen. Dieser Plan fand viel Beifall unter den jugendlichen Taubstummen in Bielefeld und wurde eifrig besprochen. Eine Liste wurde angelegt, in die sich eine gute Anzahl Taubstummer einzeichneten und Ihren Beitritt zu einem zu gründenden Taubst.-Turnverein erklärten.
Ein guter Zufall kam zu Hilfe: Ein zugereister fremder Taubst. Aus Prag, der als früheres Vorstandsmitglied des Magdeburger Taubst.-Turnvereins mit der Leitung eines Vereins vertraut war, zeigte ebenfalls lebhaftes Interesse für die Gründung eines Taubst.-Turnvereins in Bielefeld. Er war als intelligenter Schicksalsgenosse und als die Gebärden-sprache sehr gut Beherrschender der rechte Mann dazu, uns als Führer zu dienen.
Am Sonnabend, dem 24. November 1912, kam dann im Lokale des Herrn Kopp, Herforder Straße (gegenüber der Kreissparkasse) ein kleines Häuflein Schicksalsgenossen zusammen. Einberufer dieser Versammlung war Richard Pollatschek, der in längerer Rede die Anwesenden (10 Herren und 6 Damen) so zu begeistern wusste, dass alle sich bereit erklärten, einem Taubst.-Turnverein als Mitglied beizutreten.
Die Zeit bis zum 1.Weltkrieg
So war die Gründung des Vereins glücklich vollzogen und nun galt es, für unsere Mitglieder eine Turnhalle zum Üben zu finden. Die ersten Turnstunden fanden in dem Tanzlokale „Zum Siegfried“ (Siegfriedstraße) statt. Die Turngeräte gehörten dem Arbeiterturnverein „West“, der uns dann das Angebot machte, diesem Verein als Turnabteilung beizutreten. Da wir aber inzwischen von der Stadt auf unsere Eingabe hin, die Turnhalle der Bosseschule zugewiesen erhielten, erledigte sich dieses Angebot von selbst; denn die Taubstummen turnten lieber unter sich als mit Hörenden, weil sie sich im Kreise der Schicksalsgenossen zwangloser fühlen.
Nun herrschte bald an den Turnabenden Dienstags und Freitags reges Leben und Treiben in der Turnhalle. An den Sonntagen wurden Wanderungen unternommen, die sich reger Teilnahme erfreuten. Der Verein wuchs unter zielbewusster Leitung stetig und konnte bald eine Anzahl guter Turner in seinen Reihen zählen. Wir konnten sogar eine Damenabteilung gründen, die unter Leitung von Frl. Martha Böcker turnte. Auch Spiel und Sport wurde getrieben und ein Faustball angeschafft. Einen schönen Erfolg errang der Verein auf dem Deutschen Turnfest in Leipzig, da er durch seinen Turnwart bei den Taubst. den 4. Sieger stellte. 1913 konnten wir das 1. Stiftungsfest feiern, auf dem unsere Turner und Turnerinnen von ihrem Können Zeugnis ablegten und vielen Beifall, auch von hörenden Gästen, erhielten
Der Verein während des 1.Weltkrieges
Wenn unsere Mitglieder auch nicht zum Militärdienst eingezogen wurden, so war der Krieg doch ein schweres Unglück für alle Gehörlosen. Zuerst verließ Turnbruder G. Svensson Bielefeld, um in seine Heimat Dänemark zurückzugehen. Dann gingen der Turnwart Hüntzsch und der 2. Vorsitzende Oskar Kienitz für einige Jahre nach auswärts, später auch der 1. Vorsitzende Pollatschek, so dass der Verein fast führerlos dastand. Bis 1923 wechselte der Vorsitz häufig, bis O. Kienitz zurückehrte und wieder 1. Vorsitzender wurde. Die Turnabende wurden schlechter besucht, die Halle konnte wegen Kohlemangel nicht geheizt werden. Nahrungsmittel wurden immer knapper und konnten oft nur gegen Marken bezogen werden. Mit welchen Schwierigkeiten der Verein zu kämpfen hatte, davon wissen die jungen Mitglieder heute nichts oder nur aus Erzählungen älterer Sportkameraden.
Der alte Stamm der Mitbegründer um Oskar Kienitz, Reinhold Hüntzsch, Fritz Ruthe, Lohmann, Schürmann, Wilkenhöner, Heidemann, hielt dem Verein die Treue und so bot das Vereinsschiff allen Stürmen der Zeit Trotz. Trotz aller Not der Zeit wurde das Vereinsleben und der Verkehr mit den Brudervereinen aufrechterhalten. Die Kreisturntage und die Kreisturnfeste des Westkreises wurden regelmäßig beschickt. Wir konnten manchen schönen Sieg erringen. Die Faustball-mannschaft holte sich sogar eine Bezirksmeisterschaft im Südbezirk des Minden-Ravensberger Turngaues und erhielt ein Diplom. Endlich kam das heiß ersehnte Kriegsende herbei.
Nach dem Weltrieg, von 1918 bis 1932
Nach dem Kriege wurde der volle Turnbetrieb wieder auf-genommen. Der Verband Deutscher Tbst.-Turnvereine übertrug uns im Jahr 1919 seinen Verbandstag. Dann kam das 2. Deutsche Taubst.- Turn- und Sportfest in Erfurt, wo 3 von uns im Zwölfkampf Sieger wurden und wir zum ersten Mal die Deutsche Taubst.-Faustballmeisterschaft erringen konnten. Es gewannen Wilkenhöner, Hüntzsch, Kienitz, Lohmann und Beyer. 1925 errangen wir in Berlin die Zweite.
Besonders glänzend für den Verein verlief das 3. Deutsche Tbst.- Turn- und Sportfest 1926 in Frankfurt a. M., wo wir den Hauptteil der Sieger stellten. Konnten wir doch neben vielen Einzelsiegen auch die Schwedenstaffel und zum dritten Mal die Deutsche Faustballmeisterschaft gewinnen, so dass der Verein erfolgreich wie noch nie dastand. Die folgenden Jahre verliefen in ruhigem Gleichmaß der Jahre. Erfolge und Misserfolge wechselten, neue junge Mitglieder kamen und traten in die Fußtapfen der alten Turner. Zuletzt auf dem Kreisturnfest in Düsseldorf konnten wir eine größere Zahl der Sieger stellen und so den Beweis führen, dass wir nicht rosten sondern an die stolzen Tage der Vergangenheit anknüpfen.
Und so, ihr jungen und alten Turner und Turnerinnen im Biele-felder Taubst.-Turnverein, haltet fest zusammen, erfrischt Körper und Geist durch Turnen, Spiel und Sport, so werdet ihr einen gesunden Körper und ein frohes Herz behalten immerdar! so schloss 1932 Reinhold Hüntzsch
Turner und die Faustballmannschaft konnten viele Siege erringen. Die Faustballer waren längere Zeit gegen Gehörlose und Hörende unbesiegt, gewannen Meisterschaften und Sportfeste.
Bielefelder Faustballteam war seit Gründung des Verbandes bis letzter DM 1934 ununterbrochen in ??? dieses stolzen (6x)Titelns !
Nach dem 1961 eine Gehörlosenschule nach Bielefeld kam nahm die Zahl jugendlicher Gehörloser im Verein zu. Als dann in D-Sportfest in Stuttgart 1968 die Faustball Zweiter wurde und die Jugendlichen Leichtathleten erfolgreich waren, wurde dies in Bielefeld wie eine Auferstehung alter Turnertradition gefeiert. Beim Sportfest in Mainz übertrafen die Jugendlichen in der Zahl der Plätze und in den meßbar vergleichbaren Leistung die Erfolge ihrer turnenden Vorbilder beim für den Verein bis dahin besten Sportfest in Frankfurt von 1926.
Durch die Jugendlichen wurde nun die Handballmannschaft immer stärker und zum Hauptträger des Sportbetriebs. Auf Wunsch junger Sportler wurde erst Handball, später auch Fußball gespielt. Die erfolgreicher wurde das Jahr 1991. Die Handballabteilung gewann so ziemlich alles, was gehörlose Handballer gewinnen konnten: in NRW die Landes- und die Pokalmeisterschaft, dazu die Jugend- und die Alt-Herren-Meisterschaft, in Deutschland ohne Verlustpunkte die Deutsche und die Pokal-Meisterschaft. Die Handballspieler wurden fünfmal Deutscher Gehörlosenmeister, zuletzt 1999. An den Erfolgen der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft hatten Bielefelder großen Anteil. In der Weltmeistermannschaft von 1993 in Sofia spielten mit vier Bielefelder. Auch jetzt im Jahre 2000 spielten in der Vize-Europameistermannschaft mit zwei Bielefelder. (siehe "Erfolge")
Beim Fußball gibt es auch Erfolge durch Damen-, Jugend- und Altherren Es werden Siege und Plätze bei Turnieren errungen, auch einige Deutsche Gehörlosenmeisterschaften. Bei der 1. Mannschaft ist die Konkurrenz zu stark, doch gibt es Pokalerfolge.
Erstmal gibt es seit 1985 eine Kanuabteilung und erfolgreich unzähligen internationaler Kanu-Rallye und zwei Bielefelder nach dem erfolgreich langer 5 jähriges laufende hungriger Kilometerjagd mit 2x Bronzen und 2x Silber endlich einen Goldabzeichnen durch der deutsche Kanu Verband ausgezeichnet. Wir veranstalten jedes Jahr einmal Kanutour !
Als jüngste Abteilung gibt es auch eine Motorsportabteilung. Auch die Motorsportler melden oft Erfolge. Zuletzt im Mai 2000 in Rheinfelden bei der Deutschen Gehörlosenmeisterschaft im 2-Stunden-Team-Kartrennen die Mannschaftswertung durch 6 Bielefelder. Für einer Bielefelder gewann im DM-Einzel für Slalom 2001 in Bremen. Jetzt löst Abteilung vom Motorsportabteilung auf.
Der alte Taubstummen-Turnverein hat sich mit der Zeit gewandelt übt modernen Sport mit schönem Erfolg.