Bei zwei Starts bei der Triathlon Veranstaltung am Chiemsee brachte der GSV Bielefeld zwei Podestplätzen mit nach Hause. Während am Samstag 24. Juni das Trio um Martin Koppe, Ulrich Rübbelke und Benjamin Heese den nicht erwarteten Staffelsieg über die Volksdistanz schaffte, verpasste am Sonntag 25. Juni Martin Koppe bei seinem Einzelstart über die Kurzdistanz (Olympische Distanz) hauchdünn die Gehörlosen Deutsche Meisterschaft in der AK 45. Er belegte einen guten 2. Platz.

Das Ganze von vorn…

Bereits am Freitag machten sich die drei Teilnehmer vom GSV Bielefeld mit dem Vereinsbulli auf den weiten Weg nach Chieming. Ein Gästehaus, welches 7 km weg vom Ort Chieming lag und inmitten einer schönen Landschaft, diente über das Wochenende als Unterkunft. Hier hatte man die Ruhe (und die nötige Konzentration für die Wettkämpfe!) und kein Trubel von Touristen sowie den vom Triathlon. 

Für den Samstag kündigte sich früh schwülwarmes Wetter an. Entsprechend fuhr man bereits vormittags nach Chieming, um sich an das Klima zu gewöhnen und sich auf die Staffelteilnahme vorzubereiten. Dazu gehört einmal an den Chiemsee zu gehen, um die Schwimmstrecke anzuschauen. Sie wurden mit großen gelben Bojen abgesteckt. Wer hier am Ufer steht, weiß warum hier viele Bildmotive entstehen. Im Hintergrund sind die Alpen zu sehen und mitten auf dem See die beiden Herren- und Fraueninsel. Für Urlaub waren allerdings die Gehörlosen Bielefelder nicht vor Ort. Während Ulrich gemeinsam mit Martin auf dem Sattel die Radstrecke inspirierten, schaute sich Benjamin das Streckenprofil auf den ersten hundert Metern für die Läufer an. Die Veranstalter schrieben das Thema Inklusion groß auf die Fahne. Der Start mit den hörenden Triathleten erfolgte gleichzeitig mit den Gehörlosen- und Paratriathleten. In der Volksdistanz stand 500m Schwimmen, 20km Radfahren und 5km Laufen auf dem Programm. Mit vier sehr lauten Böllerschüssen gingen die Schwimmer um Martin Koppe ins Wasser. Im hektischen Gewimmel versuchte jeder Sportler seine Positionen zu verteidigen, dazu gehörte auch die (unfairen) Versuche, den Gegner mit einer Hand oder Ellbogen aus dem Weg zu räumen oder zur Seite zu stoßen. Martin hat damit zu kämpfen gehabt. Die schnellen Schwimmer hatten nach vorne freie Bahn. Unten ihnen befanden sich der Gehörlose Deutsche Meister Kilian Deichsel und die ehemalige Kaderathletin im Schwimmen Katrin Schliwa. Sie holten einen Vorsprung beim Wechsel zum Rad heraus. Martin, immerhin in ordentlichen 10:43min als 3. unter den Gehörlosen, übergab den Staffelholz an Ulrich weiter. Als Staffelholz diente ein Zeitchip am Fußgelenk. Ulrich, der zuvor noch nie ein Radwettbewerb teilgenommen hatte, machte sich mit dem von Martin geliehenem Rad auf die Runden durch das schöne Chiemgau. Auf fast flachen Terrain musste er die Strecke 3x umrunden. Wie es ist, in der Sonne bei 27 Grad zu fahren, kann sich jeder selbst ausmalen. Als er sein Rad nach knapp 38min an richtiger Stelle in der Wechselzone abstellte, hat er zwar den 3. Platz verteidigen können, aber gegenüber den Vorplatzierten weitere Zeit eingebüßt. Mit wackeligen Beine lief Ulrich zu Benjamin, um dessen Start nach Übergabe des Staffelholzes freizugeben. Gemäß dem Teamname „Fast & Deaf“ (engl. für Schnell & Taub) machte sich Benjamin mit großen Schritten auf die Strecke. Einerseits um das Podestplatz abzusichern, anderseits um vielleicht nach vorne noch Plätze gut zu machen. Mit drei bzw. fast fünf Minuten Rückstand auf den 2. und 1. eine Menge Holz, zumal niemand weiß wie stark die Läufer sind. Die 2,5km Strecke musste jeder 2x umrunden (wie sich später aber herausstellte, waren es auf 5,6km auf der Uhr). Als nach etwa 3km der 2.-platzierte überholt wurde, stellte sich die Frage, wo ist der Führende? Wie sich hinterher herausstellte, begab sich dieser nach einem Missverständnis auf eine 3. Runde und fiel in der Endabrechnung auf Platz 9 zurück. Sein Pech ist unser Glück. Als Benjamin noch die Schirmherrin Verena Bentele (mehrfach Paralympics Siegerin) überholte, war das Ziel nicht mehr weit. In guten 23min erlief er mit der schnellsten Laufzeit für das Team zum Staffelsieg und immerhin zum 11. Platz von 56 Startern im Gesamteilnehmerfeld! Da ist zu verschmerzen, dass das Team die Ehrung verpasste und nachträglich ein gut gefüllter Beutel als Preis vom Veranstalter überreicht wurde. 

Am frühen Abend ging es wieder zurück zur Unterkunft, schließlich stand für Martin am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr sein Start über die Olympische Distanz (1,5km Schwimmen, 40km Radfahren, 10km Laufen). Mit einer Portion Nervosität bereitete er sich akribisch auf den Start vor. Alles musste in der Wechselzone an seinem Platz sein, nichts durfte bei dem Wechsel zur anderen Disziplin schief gehen. Es galt für Martin den DM Titel in der AK45 zu verteidigen. Kurz vor dem Start wendete plötzlich sich das Wetter, Regen fiel und es wurde merklich kühler, der See bildete ordentlich Wellen. Als nach dem lauten Böllerschuss das Teilnehmerfeld ins Wasser gelassen wurde, hatte so jeder Triathlet mit den erschwerten Bedingungen zu kämpfen gehabt. Martin fand in den Gewässern leider wenig Orientierung, er kam mit über 1-2min Rückstand gegenüber seinen Konkurrenten aus dem Wasser. Nicht einfacher wurde die Situation nach dem Wechsel auf das Rad. Die Straßen waren vom Dauerregen durchnässt. In den Kurven mussten die Sportler aufpassen, auf den schmalen Reifen nicht wegzurutschen. Martin kam unfallfrei durch und konnte auf seinem erst im Mai dieses Jahres gekauften Triathlon-Zeitfahrmaschine Gerrit Besselink vom GSV Münster überholen und blieb beim Wechsel zum Laufen knapp hinter dem Führenden der AK45 Volker Marks, ebenfalls vom GSV Münster. Es deutete auf eine spannende Entscheidung ins Ziel an. So sollte es auch kommen. Wenige hundert Meter vorm Ziel hatte sich Martin an Volker herangekämpft. In der vorletzten langgezogene Kurve, etwa 150m vorm Ziel, versuchte Martin ihn außen herum zu überholen. Das gelang ihm kurzzeitig, da Volker sichtlich überrascht erst registrieren musste, dass es jetzt um alles oder nichts ging. In der letzten 180° Grad Kurve bahnte sich ein kleines Hindernis an, die Innenkurve war nämlich Fußhoch mit Wasser überschwemmt gewesen. Martin wählte die sichere Variante, außen herum ins Ziel zu sprinten. Bloß nicht ausrutschen. Während Volker alles riskierte und den kürzeren Weg durch das Wasser nahm. Diesen entscheidenden Vorteil brachte Volker als Sieger mit 1,4 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Schade, dass Martin für seinen Kampf nicht belohnt wurde. Im Nachhinein war das schlechte Abschneiden im Schwimmen und schlechtes Timing in der Wechselzone ausschlaggebend, wo die Zeit am Ende fehlte. Als später bei der Ehrung Martin die Silbermedaille für seine Deutsche Vizemeisterschaft umgehängt wurde, konnte er wieder lächeln. Herzlichen Glückwunsch!

Der Vollständigkeit halber bleibt noch zu erwähnen, dass Kilian Deichsel und Claudia Platzek vom GSV Bayreuth mit deutlichem Abstand alter und neuer Deutscher Meister im Gehörlosen Triathlon wurden.

 Weiterer Bericht und Ergebnisliste: 

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